Monatsarchiv Januar 2012

Hunger “bekämpfen”

Geschrieben am 10. Januar 2012 von Nikolai Fuchs . Kommentar schreiben

„Kampf“ dem Hunger

Das ist doch interessant: warum, spricht man vom „Kampf“ gegen den Hunger? Jüngst hat der zum Jahreswechsel 2012 neuberufene Generaldirekor der FAO (der UNO Organisation für Landwirtschaft und Ernährung), José Graciano da Silva diesen Terminus wieder verwandt.

Hunger kommt nicht „aktiv“ daher. Da ist niemand, der Hunger explizit will, den man also bekämpfen könnte. Hunger ist mehr passiv, er stellt sich ein, vielleicht manchmal gerade, weil man nicht aktiv ist.

Hunger ist eine Herausforderung. Aber Herausforderungen „besteht“, oder „meistert“ man.

Warum also „Kampf“?

Vielleicht wegen der strategischen Dimension. Oder weil Hunger etwas bedrohliches hat. Vielleicht, weil man sich „rüsten“ muss, um es mit dieser Menschheitsgeiβel auf zu nehmen. Auf jeden Fall braucht es einen (Schlacht-)Plan, Mit-“streiter“ und den Willen zum Sieg. Insofern stimmt vielleicht die Metapher „Kampf“. Im Einzelnen geht es dann aber vor Ort um die liebevolle Entwicklung von Initiativen, um den Schutz dieser keimhaften Intiativen, um Pflege („care“), um Einbezug der Betroffenen und um Befähigung (mehr noch als um „Bemächtigung“). Die Kampfmetapher legt nämlich auch Bilder wie „Anbauschlacht“, Massenerträge, riesige Mähdrescher und Containerschiffe nahe. Das ist nicht immer das richtige Rezept, um dem Hunger zu begegnen. Hunger ist auch etwas, das man „lindern“ kann – und muss. Den Hunger lindern trägt eine andere Geste in sich – mehr ein helfende, als eine niederwerfende, oder zu Besiegende. Vielleicht würde ein Umschwung, auch in der Begrifflichkeit, helfen, das Hungerproblem mehr Lösung spendend anzugehen.