Monatsarchiv Februar 2012

Lamy: “there is no business more complicated than agriculture”

Geschrieben am 13. Februar 2012 von Nikolai Fuchs . Kommentar schreiben

Am 8. Februar hatte der Economist nach Genf zur Konferenz: „Feeding the world – the 9 billion dollar question“ eingeladen. Pascal Lamy, Generaldirektor der WTO stellte in seinem Referat fest, dass sehr wenige Länder die haupt landwirtschaftliche Produktion schultern. Afrika sei der für Ernährungssicherung noch unerschlossene Kontinent. Die Produktivität der Landwirtschaft sei dort vergleichsweise sehr niedrig. Viele politische Faktoren stünden einer besseren Entwicklung entgegen, darunter die landwirtschaftlichen Subventionen in der westlichen Welt. Landwirtschaft sei, entgegen der allgemeinen Annahme, das komplizierteste Geschäft. Handel könne helfen, Ernährungssicherung zu verbessern. Offener Wettbewerb würde helfen, dass bellacor.com die Nahrung dort erzeugt würde, wo es am besten ginge.

Interessanterweise war es die genossenschaftliche Rabobank, die die Grosskonzerne zu kooperativem Handeln aufforderte. Die Farmer würden zwischen den Verarbeitern und Händlern, die immer niedrigere Preise durchsetzen wollten, und den Vorleistungs-Anbietern wie Düngemittel-Firmen, die möglichst hohe Preise für ihre Vorleistungen durchsetzen wollten, nahezu erdrückt; sie wären in der Falle. Der zukünftige Kampf um Rohstoffe würde den Markt zwischen den Grosskonzernen immer mehr in Segmente aufteilen, so die Bank, die zu den 30 grössten der Welt zählt, und die auf das Agrar- und Ernährungsgewerbe spezialisiert ist. Das würde zur Ernährungsunsicherheit beitragen. Deswegen seien die Verarbeiter und Händler in der Pflicht, den landwirtschaftlichen Sektor prinzipiell zu fördern – unter anderem durch besseren Zugang zu Vorleistungen und Wissen, aber auch durch Ausbildung, und durch Druck auf die Regierungen, Handelsbarrieren abzubauen. Dabei solle der Fokus auf transparente und nachverfolgbare Produktion gelegt werden.

Nestlé Chef Bulcke stellte Nestlés Strategie, Farmer zu unterstützen vor. Nestlé arbeitet mit 600.000 zum Teil Kleinbauern weltweit zusammen. Mit integrierten Programmen werden die Bauern angeleitet, ihre Rolle in einer qualitativen Wertschöpfungskette zu spielen.

Fazit: Nur Wettbewerbsstrategien zu folgen verengt den Markt auf wenige Player, die noch dazu ihre eigenen Wertschöpfungsketten optimieren, und damit von Wettbewerbern (und der Allgemeinheit) abgrenzen. Ob diese Player dem Ruf der Rabobank, kooperativer die Urproduktion – über ihre eigene Wertschöpfungsketten hinaus – zu unterstützen nachkommen werden? Bulcke plädierte dann auch für ein Zusammenspannen aller gesellschaftlicher Kräfte (wovon, das wissen wir, zumindest der public sector schwächelt). Die Befürchtung bleibt, dass in dem heutigen (Wettbewerbs-)System die Verlierer, d.h. die Armen in den marginalisierten Regionen, doch nicht zur Ernährungssicherung finden werden. Der Wechsel muss vielleicht doch noch fundamentaler ansetzen.