Monatsarchiv April 2012

Lamy: Wir müssen die Kosten der Umweltzerstörung einpreisen

Geschrieben am 12. April 2012 von Nikolai Fuchs . Kommentar schreiben

In einem Interview kürzlich in der ZEIT (Die ZEIT 4. April 2012, S. 30) gab Pascal Lamy, Generaldirektor der WTO, einige interessante Antworten auf die Fragen:

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ZEIT: In vielen Ländern haben die Leute Angst vor Globalisierung und Liberalisierung. Sie aber wollen immer mehr davon.

Lamy: Verwechseln Sie Handelsöffnung nicht mit Deregulierung. Handel braucht faire Regeln, so wie die Finanzmärkte auch. Genau das will ich.

ZEIT: Was sagen die Ökologen? Die fürchten, dass wir schon aus Umweltgründen unser Wachstum nicht unendlich steigern können?

Lamy: Da kennen wir doch längst die Lösung. Wir müssen die Kosten der Umweltzerstörung einpreisen. Sonst werden die Folgen tatsächlich katastrophal sein.

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Sie halten also wenig von Lokalisierung, von der Idee, Produkte besser aus der näheren Umgebung zu kaufen?

Lamy: Das kommt Moneygram money order auf den konkreten Fall an. Ob es ökologisch sinnvoller ist, die Rosen in Kenia zu züchten oder in Gewächshäusern in den Niederlanden, ist fraglich.

(…)

Kommentar: Pascal Lamy wünscht sich Staaten, die Regeln setzen können, oder gar Gesetze zur Einpreisung von Umweltschäden. Er sieht gleichzeitig die Schwäche des momentanen Systems, indem er in dem Interview bemerkt, dass Regierungen zu Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise keine Wähler gegen sich aufbringen wollen, auch wenn neue Regeln den Ländern eigentlich gut täten. Eine Lösung zu diesem Problem, hat er nicht. Immerhin sieht er, dass es zumindest im Einzelfall sinnvoller sein kann, Produkte lokal zu erwerben. Die momentanen Regeln bevorteilen jedoch meist nicht-lokale Produktion. Wenn die Staaten aber zu Regulierungen zu schwach sind – was dann?