Monatsarchiv September 2012

WTO – Organisation oder Institution?

Geschrieben am 28. September 2012 von Nikolai Fuchs . Kommentar schreiben

Pascal Lamy, der Generaldirektor der WTO, der häufiger durch wenn auch nicht unkonventionelle, so doch originelle Beobachtungen und Gedankengänge auffällt, machte zu Beginn des WTO Public Forum 2012 (24. – 26. September in Genf) eine interessante Aussage: Die WTO habe zwei Seiten: einmal sei sie mehr eine Organisation, ein andermal eine Institution. In letzter Zeit würde die Institutionen-Seite dominieren. Er führte nicht weiter aus, was er damit meinte. Aber die Gedanken, die man daran anschliessen könnte wären u.a. die folgenden: Eine Organisation ist der Raum, in dem sich die Organe zusammenfinden und „organisieren“. D.h. immer wieder neu sich nach gesteckten Zielen ausrichten, und neue Gleichgewichte herstellen, bis der Organismus seiner Aufgabe gerecht werden kann. Man darf sich das wohl flexibel, und in dauernder Bewegung vorstellen.

Eine Institution hingegen hat etwas gesetztes, eine, wenn man so will, Geist-Gestalt (natürlich mit physischer Erscheinung), die man adressieren kann, und die mit ziemlicher Verlässlichkeit in einer bestimmten Art reagiert. Vermutlich darf man den Vatikan als eine Institution bezeichnen.

Ein Fehler der WTO sei, so kürzlich ein Beobachter, dass sie schon habituell zu allem Neuen „nein“ sage. Das kann daran liegen, dass in dem Habitus des „give an take“, nach dem heute die Verhandlungen ablaufen, alle Positionen gesetzt sind. Man bewegt sich nur, wenn man dafür etwas bekommt. Kommt (droht) also eine Neuerung, hat man Angst, hinterher irgendwo feststellen zu müssen, dass man etwas verloren hat. Davor hat man Angst. Also muss das Spielfeld gewohnt und übersichtlich bleiben. Wenn sich dann nichts bewegt, so wie jetzt bei der Doha-Runde, dann ist das zwar bedauerlich, aber dann hat man wenigstens eins – Sicherheit. Und dies dürfte mehr mit einer Institution, als mit einer Organisation gegeben sein.