Monatsarchiv November 2012

Pestizide gegen Rückenschmerzen

Geschrieben am 23. November 2012 von Nikolai Fuchs . Kommentar schreiben

Auf Provokationen soll man ja eigentlich nicht eingehen, aber diese lohnt eine Betrachtung: Ein Weltbank-Mitarbeiter stellte am 21. November die Studie „Africa Can Help Feed Africa“ in der WTO vor. Darin sprach er von allerlei Entwicklungshemmnissen, die verhindern würden, dass Afrika sein volles Produktionspotential ausschöpfe. So würden in Subsahara bis zu 90% des fruchtbaren Bodens einfach brach liegen. Daneben würden unnötige bürokratische Hürden den Zugang namentlich zu Dünger, Pflanzenschutzmitteln und verbessertem Saatgut erschweren, die letztlich die Produktivität enorm erhöhen würden.

Nach der Präsentation meldeten sich einige im Plenum zu Wort. Ob der Autor denn bedacht hätte, dass man für landwirtschaftliche Erzeugung nicht nur fruchtbaren Boden, sondern auch Wasser bräuchte. Dafür wäre er kein Fachmann, entgegnete er, aber es gäbe Fachleute dafür in der Weltbank. Ein anderer fragte, ob er denn an die Biodiversität in der entsprechenden Region gedacht hätte. Ja, wenn dort (Ur-)Wald stünde, dann wäre diese Region nicht gemeint (der Gürtel, den er bezeichnet hat, ist Savanne). Ganz zum Schluss machte ich die Bemerkung, dass ich die Darstellung, dass einfach mehr Dünger einsetzen das Problem lösen würde, etwas zu einfach fände. Man müsse doch heute angesichts von Klimawandel, Biodiversitätsverlust und eutrophierten Gewässern, wo Stickstoff einer der drei Faktoren wäre, wo die planetaren Grenzen schon deutlich überschritten wären, und Stickstofferzeugung sehr energie-intensiv wäre (Klimawandel und Biodiversität sind die anderen Bereiche, wo die planetaren Grenzen schon überschritten sind) die Problemlage ganzheitlicher betrachten. Darauf entgegnete er, und er wolle etwas Provozieren: Ja, ja, die Umweltwirkung müsse man schon beachten. Aber er kenne die Argumentation, die werde ja auch häufig bei Pestiziden vorgebracht. Aber Pestizide würden die Bäuerinnen von mühsamer Hack-Arbeit entlasten, und dann hätten sie mehr Zeit für die Familie (und sein Blick sagte: wer will dagegen schon etwas haben). (Über die über 20.000 Tote pro Jahr durch Pestizide, und dass es intelligente push und pull Methoden fertig entwickelt und praxistauglich gibt, haben wir nicht mehr gesprochen. Ich habe nur noch gestaunt, was für (doch, ich muss es sagen: ignorante) Haltungen es heute so prominent noch gibt.

Ich würde gerne einmal einen nicht-arroganten Weltbank Mitarbeiter kennen lernen.