Monatsarchiv Februar 2013

Ist der Mensch moralisch?

Geschrieben am 28. Februar 2013 von Nikolai Fuchs . Kommentar schreiben

Wenn es darum geht, Handelsregeln zu verfassen, dann stellt sich die Frage, ob man mit dem Faktor Mensch rechnen darf. Kann man also damit rechnen, dass ein Moneygram point Mensch, oder eine Gruppe von Menschen wie z.B. eine Regierung aus ethisch-moralischen Motiven handelt, bzw. handeln würde?

Diese Frage hat auch Forscher aus den Sozialwissenschaften (siehe „Warum ganz normale Menschen schlechte Dinge tun – Geschäftsethik aus ökonomischer Perspektive“, NZZ 19. September 2012) beschäftigt. Sie fanden in ihren Untersuchungen heraus, dass dem (uns) Menschen sehr wohl ein Gerechtigkeitssinn innewohnt. Wenn klar ist, welche direkten Auswirkung des Jeweiligen Tun hat, und wenn die Situation für alle Transparent ist – denn der Mensch lebt zu grossen Teilen von der (öffentlichen) Anerkennung –, dann neigt die Mehrzahl zu ethischen Handlungen. Wenn aber nicht ganz klar ist, ob und vor allem wie genau die „gute“ Handlung ankommt, dann haben wir eine Tendenz, die gute Handlung eher nicht auszuführen. Ist dann noch dazu die Situation nicht ganz transparent, dann neigt Mensch dazu, die Vorteile mehr auf seine Seite zu sortieren. Sobald also die Situation etwas „unscharf“ wird, buyorbury.com neigt man im Allgemeinen zu egoistischem Verhalten.

Die entscheidende Frage für die Moral ist, ob man, bei vertretbarem Aufwand, die Transparenz aktiv herstellt. Und da neigt die Mehrheit dazu, diesen vertretbaren Aufwand nicht zu tätigen.

Hier muss also und Menschen „geholfen“ werden: wir sollten uns Regeln geben, die die direkte Wirkung sichtbar, und die Handlung transparent machen.

So gesehen ist die WTO in diese Richtung eine hilfreiche Organisation: sie strebt einen regelbasierten Handel an, und sie veröffentlicht regelmässig Handelsberichte der einzelnen Mitgliedsländer, aus denen alles, und auch alle „Sünden“ hervorgehen.

Dass Mitgliedsländer wir die EU oder die USA dennoch z.B. eine Subventionspolitik für Landwirtschaft betreiben, die eindeutig negative Auswirkungen auf Entwicklungsländer hat liegt daran, dass die Bevölkerung bzw. die Interessengruppen in diesen Industrie-Ländern profitiert, und daher nicht aufmuckt (die Bevölkerungen der geschädigten Länder können ja nicht aufmucken, was sollten sie machen), und man in den wirren Handelsverflechtungen nicht leicht den Durchblick bekommt – also eine gewisse Intransparenz herrscht. Im Nebel der Intransparenz ist die einseitige Vorteilsnahme ohne grössere Blessuren möglich.

In Genf ist die verbreitete Meinung – auch unter NGOs – dass der Mensch nicht moralisch sei. Auch die klassische Ökonomie geht in der Regel vom homo oeconomicus aus. Unter bestimmten Voraussetzungen – z.B. der der Intransparenz trifft das zu. Stimmen jedoch die Bedingungen, kann und will der Mensch durchaus ethisches Handeln an den Tag legen. Insofern sind Initiativen zu mehr Transparenz und Wirkungsnachweis zu begrüssen.

Gier und Malaria

Geschrieben am 6. Februar 2013 von Nikolai Fuchs . Kommentar schreiben

Am 23. Januar erschien in der Neuen Zürcher Zeitung NZZ ein interessanter Artikel. Unter der Überschrift „Goldsucher als Gesundheitsrisiko“ war der Untertitel: „Menschliche Gier und Gesetzlosigkeit als idealer Nährboden für die Ausbreitung resistenter Malariaerreger“. Das Intro zu dem Artikel hielt dann fest: „Die Ausbreitung resistenter Malariaparasiten geht offenbar immer von Gegenden aus, in denen unkontrolliert und in grossem Stil nach Edelsteinen oder Gold gesucht wird. Das zeigen auch jüngste Untersuchungen.“

Die Geschichte geht dann so: Werden irgendwo, meist im Hinterland, Edelstein- oder Goldfunde aufgetan, strömen Glücksitter in grosser Schar an diese Orte. Allermeistens sind sie nicht immun gegen die Malaria-Erreger. Sie stecken sich an, wandern zurück an Orte, wo sie behandelt werden, um mit der Restmenge Wirkstoff des Medikaments im Blut sich erneut zu den Gruben aufzumachen. Dort werden sie wieder befallen, und der Erreger gewöhnt sich and das Medikament, das ihn in der Restmengen-Dosierung nicht mehr abtötet. So wird er langsam resistent. Das Fatale: die Glücksritter ziehen irgendwann weiter, aber die resistenten Erreger vor Ort bleiben. Betroffen davon sind erfahrungsgemäss meist Kinder.

Einzelnen so genannten Glücksrittern kann man keinen Vorwurf machen, sie suchen ein Auskommen, während andere sich bereichern wollen und rücksichtslos vorgehen. Man könnte jetzt viele Lösungsvorschläge, wie der Raubbau besser zu regeln wäre machen. Interessant, und deswegen sei hier darauf hingewiesen, ist in jedem Fall der über Umwege sehr direkte Zusammenhang von unkontrollierter Ausbeutung und Leidtragenden. Die Natur setzt das hier sehr schön ins Bild.

Und noch ein Gesichtspunkt ist vielleicht bedenkenswert: Wer sich z.B. als Einheimischer auf seine Traditionen zurück zieht, und vielleicht durchaus un-gierig ein zurückgezogenes Leben im Busch führt und damit den anderen aber das Terrain überlässt, erntet nichts als Umweltzerstörung und Probleme. Vielleicht verschuldigt er sich sogar gegenüber seinen Kindern, auf jeden Fall gegenüber der Umwelt. Wenn man davon ausgeht, dass Bodenschätze gehoben gehören (was sollen sie sonst da unten), dann gibt es vielleicht sogar eine Pflicht, wenn es einem in die Hände gelegt ist, damit sorgfältig zu verfahren und die Schätze kontrolliert zu heben. Dann gäbe es sogar eine „Pflicht zur Entwicklung“. Ist das, wenn nicht ein gefährlicher, so doch ein herausfordernder Gedanke?