Ergebnisse

Unter der Prämisse, den Hunger  – wie er häufig in ländlichen Regionen und auch bei Kleinbauern auftritt – bekämpfen und die planetaren Belastungsgrenzen in Bezug auf die Umwelt nicht überschreiten zu wollen, ist die Nexus Foundation ist in den letzten vier Jahren (2010 – 2014) zu den folgenden vier Haupt-Ergebnissen gekommen:

1. Der wichtigeste Knackpunkt: Von der Markt- zur Entwicklungsorientierung

Als wesentliche Weichenstellung für die heutigen Verhältnisse, bei denen die Zahl der Hungernden nicht unter 800 Millionen gedrückt werden kann, und die Umweltbelastung durch die Landwirtschaft gravierend steigt ist in Bezug auf das Handelsregime aus Nexus-Sicht wesentlich ein kleines Wort verantwortlich, das sich in der Präambel der Einigung zur Landwirtschaft in der WTO befindet: Marktorientierung. Diese Marktorientierung, die auch gerne als „Exportorientierung“ gelesen wird – und worauf in den Verhandlungen immer wieder gepocht wird – stellt die Landwirtschaft unter das Diktat von Spezialisierung und Industrialisierung. Diese Landwirtschaft schafft auf dem Land – wo die meisten Hungernden leben – für ungelernte Arbeiter nur saisonale und prekäre Jobs, ist enorm Wasser-verbrauchend und stark umweltbelastend. Sie verbilligt zwar Lebensmittel für den städtischen Konsum, untergräbt aber durch begleitende verzerrende Subventionen vor Ort gewachsene landwirtschaftliche Strukturen. „Marktorientierung“ ist im Kern dem Wesen der Landwirtschaft und von Ernährtungsmärkten entgegenstehend. Landwirtschaftliche und Lebensmittelmärkte sind vom Wesen her regional und vielfältig. Dann dienen sie den Ernährungsbedürfnissen und schonen die Umwelt.

Landwirtschaftliche und Lebensmitelmärkte brauchen aus Sicht von Nexus Foundation eine Entwicklungsorientierung. Von der Entwicklung der Bodenfruchtbarkeit über lokal angepasstes Saatgut bis hin zu tiergerechten Haltungssystemen und adäquaten Ernährung, sowie von sozialen Strukturen wie einer ländlichen Ökonomie ist Entwicklung als Orientierung maβgebend („Entwicklung ländlicher Räume“, „Entwicklungsländer“). Landwirtschaft – vor allem in Hinblick auf Ernährungssicherung und Umwelt – ist unterschiedlich zur Industrie, wie Nexus Foundation in mehreren Veröffentlichungen herausgearbeitet hat.

(Haupt-Veröffentlichung: Fuchs, N. 2014: From Market- to Development-Orientation – The Trade Aspect of Food Security. In: Future of Food – Journal for Agriculture, Food and Society, June 2014) pdf: From_Market_to_Development_Orientation_Fuchs

2. Die Schlüssel-Formel – “Regional ist 1. Wahl”

Wie wären nun landwirtschaftliche und Ernährungsmärkte zu organisieren?

Als Leitformel hat sich aus der Nexus-Arbeit auch für internationale Märkte die im regionalen, deutschsprachigen Kontext bereits seit 14 Jahren bestehende Formel „Regional ist 1. Wahl“ heraus gestellt. Das, was regional gut organisiert werden kann, sollte regional organisiert werden. Nationale und internationale Märkte sollten daraufhin das regionale Angebot ergänzen.

Die Formel „Regional ist 1. Wahl“ sollte als Konsens internationale Handelsvereinbarungen durchziehen.

(Haupt-Veröffentlichung: Fuchs, N. u. Hoffmann, U. 2013: Ensuring Food Security and Environmental Resilience – The Need for Supportive Agricultural Trade Rules. in: UNCTAD Trade and Environment Review 2013)

3. Öffentliches oder gemeinschaftliches Beschaffungswesen – die Präferenz-Regel

Im Kern des „Regional ist 1. Wahl“-Konzeptes steht das öffentliche Beschaffungswesen. Dieser groβe und gestaltbare Markt spielt eine Schlüsselrolle in dem Konzept. Jüngste Bestrebungen, auch diesen Markt zu liberalisieren, laufen den Bestrebungen des Konzeptes entgegen. Aber nicht Protektionsimus, wie gerade in Russland geschehen – Zwang zu regionalem Einkauf per Dekret – ist aus Nexus-Sicht die Lösung, sondern eine Präferenz-Regel, die präferiertes Einkaufen zulässt.

(Hauptveröffentlichung: Fuchs, N. 2014: Freihandelsverträge, öffentliches Beschaffungswesen und Ernährungssouveränität. In: Kultur und Politik 2/14)

4. Landwirtschaft ist besonders

Die erste Einsicht, die Nexus Foundation noch stärker heraus gearbeitet hat, ist, dass Landwirtschaft aus verschiedenen Gründen besonders ist, und von daher einer eigene Behandlung im Handelsrahmen bedarf.

(Hauptveröffentlichung: Fuchs, N. 2013: The Trade Side of Food Security – The Role of the WTO. In: Albrecht, S. Ed.: The Future of Food, Berlin):

Stand: Juni 2014


Die Zivilgesellschaft steht vor der Herausforderung, sich als dritte gesellschaftsgestaltende Kraft zu etablieren

Heute wird im Allgemeinen von zwei gesellschaftsgestaltenden Kräften, Staat und Wirtschaft, ausgegangen. Neben den wichtigsten Kreis der Regierungen „G20“ (Government 20) hat sich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2012 die „B20“ (Business 20) – die 20 bedeutendsten Unternehmen gestellt, die ihrerseits nun Vorschläge zur Bewältigung der globalen Herausforderungen ausarbeiten. Die Zivilgesellschaft, die in diesem Kontext gerne „NGOs“ – Nicht-Regierungs-Organisationen – genannt wird orientiert sich in der Regel an den beiden gesellschaftsgestaltenden Kräften – sie mahnt gerechtere Politiken bzw. Handlungsweisen bei Regierungen und Firmen an. Heute wird aber immer sichtbarer, dass – vor allem überschuldete – Staaten den Sozial- und Umweltverpflichtungen nicht nachkommen. Auch die Wirtschaft kann sich im Wesentlichen nur auf die Bereiche konzentrieren, die sich rechnen. Zurück bleiben die Verlierer des heutigen marktwirtschaftlichen (Wettbewerbs-)Systems. Knapp eine Milliarde Menschen hungert, und es werden trotz Anstrengungen nicht weniger. In der Nachfolge von meist kirchlichen, mildtätigen Aktionen engagieren sich immer mehr Zivilgesellschaftliche Organisationen (CSO – Civil Society Organisations) direkt in den Tätigkeitsfeldern soziale Gerechtigkeit und Umwelt. Gemeinnützige Vereine und Stiftungen werden zunehmend selber tätig, sei es in der Entwicklungshilfe, bei der Betreuung von Bedürftigen und Benachteiligten und im Umweltschutz. Aber als gemeinsame gesellschaftsgestaltende Kraft tritt die Zivilgesellschaft noch nicht auf. Kürzlich meldete sich eine „G10“ – „Green 10“, zehn grosse Umweltschutzorganisationen zu Wort, aber richtete ihre Botschaft noch an die Staaten, an die Europäische Kommission. Im Nachgang vom Rio+20-Gipfel, der regierungsseits überwiegend enttäuschen verlief, und wo der zivilgesellschaftlich organisierte „Peoples-Summit“ als side-event dem Regierungstreffen an Dynamik den Rang ablief, entschlossen sich einige CSOs bzw. deren Vertreter, „people treaties“, also Verträge der Menschen auszuarbeiten. An dieser Aktion wird keimhaft sichtbar, dass der zivilgesellschaftliche Sektor kurz davor steht, eine eigene Stimme als dritte Kraft in die Gesellschaftsgestaltung einzubringen. Wie die Strukturen genau aussehen können – eine repräsentative Demokratie wird es wohl kaum sein – ist noch zu entwickeln.

Die Nexus Foundation beteiligt sich hier am Rande an der Debatte.

Stand: August 2012

Ein neues Wirtschaftssystem steht an

Als in 1989 die Mauer fiel, war die allgemeine Stimmung: das einzig wahre Wirtschaftssystem – der Kapitalismus westlicher Prägung – hat sich durchgesetzt. Und bis vor kurzem hiess es noch: zu diesem System gibt es keine Alternative. Allenfalls waren noch Rufe „zivilisiert den Kapitalismus“ zu hören. Doch spätestens seit der Nicht-Bewältigung der Finanzkrise von 2008 steht auch der Kapitalismus westlicher Prägung zur Disposition. Klaus Schwab, Gründer des Weltwirtschaftsforums sagte im Januar 2012 „Wir haben die Lehren der Krise nicht gezogen. Der Kapitalismus heutiger Prägung passt nicht mehr zu den Problemen des 21. Jahrhunderts.“ Ob der Staatskapitalismus östlicher Prägung („China“), wie auf dem Weltwirtschaftsforum 2012 debattiert, die Lösung darstellt, darf bezweifelt werden. Und ob die Schlussfolgerung dieser Debatte, dass es sich zukünftig mehr um einen „Talentismus“ handeln müsse, des Rätsels letzte Lösung ist, auch.

Vielversprechender scheinen uns Ansätze zu sein, wie sie in der so genannten „Gemeinwohl-Ökonomie“ entwickelt werden. Der „Profit“, der sich im entfesselten Kapitalismus des letzten Dezenniums von einem Mittel zu einem Selbstzweck entwickelt hat, wird dort durch das eigentliche Ziel des Witrtschaftens, dem Gemeinwohl zu dienen, konkret ersetzt. So ein erster „Gegen“-Entwurf kommt natürlich etwas extrem daher, aber als Denk-Anstoβ taugt er durchaus. Diese Ansätze gilt es nun weiter zu entwickeln.

Die Nexus Foudation konnte hier kleine Unterstützungsbeiträge leisten.

Stand: August 2012