Rückblick auf Rio+20 (aus Sicht eines externen Beobachters)

Geschrieben am 28. Juni 2012 von Nikolai Fuchs . Kommentar schreiben

Am 22. Juni gingen die über 100 Regierungschefs in Rio de Janairo nach der Konferenz Rio+20 auseinander, ohne sich auf die von der Zivilgesellschaft gewünschten und geforderten konkreten Resultate verständigt zu haben. Es gibt ein Abschlusspapier, und das ist auch nicht ohne Bedeutung – viele Passagen lesen sich gut und haben auch Inhalt. Aber es sind Worte der Unterstützung, auch des Commitments, aber konkrete, festgelegte Ziele auf die man auch später im Sinne von Verabredungen zurückkommen kann, gibt es so gut wie keine. Es gibt Vorhaben wie das zu begrenzte Brutto-Sozial-Produkt zu überkommen, immerhin, aber das reicht alles nicht. Es hat sich leider bewahrheitet – die Regierungen sind, zumindest wenn sie auf globaler Ebene für die Zukunft der Erde zusammenarbeiten sollen, schwach. Sie können die – meist wirtschaftlichen – Eigeninteressen nicht für das Erdengemeinwohl transformieren. So muss die Zivilgesellschaft die Entwicklung („the future we want“ – so der (zu) wohltönende ursprüngliche Aufschlag für Rio+20) selber in die Hand nehmen.

Für meine Empfindung ist mit Rio+20 aber auch der Begriff „sustainability“ (wieder mal) an seine Belastungsgrenze gekommen. Das bewirken solche hoch aufgehängten Treffen eben auch – wenn sie für ein hehres Ziel antreten, und die Ambition dann aber nur breit treten, dann kann auch ein schaler Geschmack entstehen, und die Energie, die Kraft von Begriffen „abgegriffen“, und dadurch auch geschwächt werden. Auch ein edles Pferd kann man schinden.

Kritisch ist jetzt, dass manche „Resilience“ zum neuen Leitbegriff erheben wollen. So wertvoll auch dieser Begriff – er weist aus, dass Organismen flexibel und anpassungsfähig, mit einer gewissen Selbstheilungskapazität auf Schocks reagieren – ist, er enthält als Leitbegriff die Gefahr, dass man sich in ihm einigelt. Ja, es ist (leider) sehr wahrscheinlich, dass uns vermehrt heftige Umweltkrisen heimsuchen werden. Und gut, wer sich darauf einrichtet und vorbereitet. Aber Re-silience es ist eine reaktive Qualität, keine Proaktive.

Proaktiv würde heissen, dass wir uns überlegen, wie wir leben wollen (nochmal, aber diesmal ernst: “the future we want”). Wollen wir in blühenden Landschaften unterwegs sein? Dann sollten wir Blumen säen und Sträucher pflanzen!

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